Der Bürger als Edelmann
Video "Künstlergespräch" 1.Akt
Patrick Steinwidder, Herbert Murereo
Die Comédie-ballet "Le Bourgeois gentilhomme" ist eine Auftragsarbeit für den Sonnenkönig Louis XIV. Molière mußte sich dabei an konkrete inhaltliche Vorgaben seinen Gönners halten: Seit nämlich im Jahr zuvor der türkische Gesandte Muta Ferraca mit aller Prachtentfaltung empfangen wurde, dieser sich jedoch gänzlich unbeeindruckt von allem "sonnenköniglichen" Prunk zeigte, war man ob dieser unverschämten barbarischen Arroganz gegenüber dem bedeutendsten Herrscher des Abendlandes äußerst indigniert. Fortan war es bei Hofe üblich, sich über die Orientalen lustig zu machen. Und eben dieser "Mode" sollte Moliere mit seiner neuen Komödie gerecht werden. Daher also rührt die große farbenprächtige "cérémonie turque" im letzten Teil des Stückes. Mit seinem kongenialen Partner, dem Musiker Lully, entwarf Molière ein Spektakel der Sonderklasse, das mit einem opulenten "Ballet des Nations" endet. Am 3. Oktober 1670, so berichtet Ensemblemitglied La Grange in seinen Aufzeichnungen, war Molière mit seiner Truppe auf königliches Geheiß nach Schloß Chambord an der Loire aufgebrochen, um dort die nötigen Vorbereitungen für die Aufführung zu treffen. Sechs Tage später folgte die königliche Familie mit dem gesamten Hofstaat. Die Premiere fand am 14.Oktober statt, drei weitere Aufführungen sollten folgen.
Das Spiel um Monsieur Jourdain, den wohlhabenden, selbstgefälligen Bürger, der gar zu gern adelig sein möchte und dabei mit allen komischen Konsequenzen zum Scheitern verurteilt ist, wurde für die Südkärntner Sommerspiele, ebenso wie die beiden vorangegangenen Molièrestücke, neu übersetzt und bearbeitet. Dass es bei unseren bescheidenen Mitteln nicht möglich ist, unsere Aufführung mit ähnlicher Opulenz zu bedienen, wie es weiland im Reich des Sonnenkönigs geschehen konnte, möge uns das Publikum verzeihen!