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THEATER IM STIFTSHOF

2011

Nikolaj Wassiljewitsch Gogol (1809 – 1852)

Von Gogol an ist die russische Literatur modern; es ist mit ihm alles auf einmal da... Seit Gogol ist die russische Literatur komisch - komisch aus Realismus, aus Leid und Mitleid, aus tiefster Menschlichkeit, aus satirischer Verzweiflung und auch aus einfacher Lebensfrische; aber das gogolische Element fehlt nirgends und in keinem Fall. Thomas Mann in ‘Über Mereschkowski«, 1922

Gogols Theaterstücke spiegeln die Wirklichkeit des zaristischen Russlands des 19.Jahrhunderts wider. In einer Zeit des sittlichen Verfalls prangert er die Missachtung moralischer Werte an. Seine Bühnengestalten sind typische Vertreter des absolutistischen Zarenreiches: Bestechliche Beamte, hochmütige Aristokraten, mehr oder weniger schlaue Betrüger, eitle und naive Frauenzimmer. Doch Gogols bezwingend komisches Talent siegt immer wieder über die Erbitterung, und die Gesellschaftskritik seiner Werke wird gemildert durch sein versöhnendes Lachen.

Aufgewachsen auf einem kleinen Gutshof in der Ukraine, wechselte der zwanzigjährige Gogol in die russische Metropole St. Petersburg, wo er vergeblich versuchte, als Beamter, Lehrer und Hochschullehrer beruflich Fuß zu fassen. Dafür gewann er schnell Kontakt zum Kreis der Literaten und Intellektuellen in der Residenzstadt. Erste Erfolge als Schriftsteller stellten sich ein. Gogol lernte Alexander Puschkin kennen, der als Vorbild und Ratgeber eine Schlüsselstellung in seinem Leben einnehmen und ihm auch das Thema für den „Revisor“ liefern sollte. Schöpfte Gogol insbesondere bei seinen ersten Prosaerzählungen aus der märchenhaft-romantischen Folklore seiner Heimat, so zeigte er sich in seinen dramatischen Werken von der hohen Komödienkunst Molières beeinflusst. Der straffe und klare Aufbau seiner Stücke verrät großes dramaturgische Gespür. Gogol forderte bereits vorausschauend das Regietheater, das sich erst ein halbes Jahrhundert später durchsetzte. Die Uraufführung des »Revisors in Anwesenheit des Zaren stieß 1836 auf überwiegend positive Resonanz. Der Dichter fühlte jedoch sein Stück und dessen Anliegen missverstanden und floh vor der deprimierenden russischen Wirklichkeit sowie vor der eigenen inneren Zerrissenheit in das westliche Europa (insbesondere nach Rom), wo er sich in der Folgezeit mehr als in Russland aufhielt. Seinem zweiten Stück „die Heirat“ (UA 1842) war wegen seines, für damalige Begriffe, nicht klassischen Aufbaues weder beim Publikum noch bei der Kritik der gleiche Erfolg beschieden. Anstelle einer spritzigen Liebeskomödie mit den üblichen Verwechslungen und dem obligatorischen glücklichen Ausgang führt Gogol hier die Routine einer geschäftsmäßigen Heiratsvermittlung mit fast ausnahmslos gefühllosen und leicht beschränkten Charakteren vor, wobei sich der „Bräutigam“ zu guter Letzt durch einen Sprung aus dem Fenster der „drohenden“ Verehelichung entzieht. Vo

Lachen beim Warten auf das Weltgericht
Einerseits sind diese Komödien des Nikolai Gogol "Der Revisor" und "Die Heirat" sarkastisch, hintergründig, spannend, kritisch, von einem schwebenden Humor; andrerseits wird da mitunter etwas seltsam Irritierendes spürbar, das so gar nicht zum Lachen ist. Gogol (1809-1852) war alles andere als ein lustiger Mensch. Von Kindheit an geplagt von existenziellen Schuldgefühlen, unter seiner unansehnlichen Gestalt und seiner überlangen spitzen Nase leidend, kränkelnd, von Psychosen und Dämonenfurcht geschüttelt, fällt er zumal gegen sein Lebensende einer tiefen Melancholie anheim. Er selbst bekennt, dass er, wohin er auch immer gehe, die "Schritte des Boten des Weltgerichts" hinter ihm höre. Die Angst, vor dieses ultimative Gericht gestellt zu werden, lässt den Dichter nicht los; in einer religiösen Krise verbrennt er die Manuskripte des zweiten Teiles seines Romanes "Die toten Seelen", er stirbt an den Folgen strenger Kasteiungen im Alter von nur 42 Jahren.   BKS

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