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THEATER IM STIFTSHOF

 

Molière, (eigentlich Jean-Baptiste Poquelin, 1622 - 1673), wohl einer der originellsten Dramatiker der Theatergeschichte, Schöpfer und "Übervater" der französischen Charakterkomödie, beschäftigte sich mit Vorliebe mit der heiter-bissigen Auslotung der eher dunklen Seiten des menschlichen Wesens. Bei der Auswahl seiner "Stoffe" orientierte er sich bisweilen recht gerne an bereits vorhandenen bewährten Vorlagen, wie z.B. den Stücken des antiken Komödienschreibers Plautus (254 v.Chr.-184 v.Chr.), der seinerseits mit großem Erfolg die "Romanisierung" der neuen griechischen Komödie betrieb. So beruht etwa "der Geizige" auf der "Aulularia" (Goldtopfkomödie) des Plautus, wobei sich bei einzelnen Szenen sogar eine annähernd wörtliche Übereinstimmung feststellen läßt. Auch Molières Amphitryon (1668) hat wohl seine Wurzeln im Amphitruo des Plautus. Später nahm sich Heinrich v. Kleist des Themas an. "Die Streiche des Scapin" (1671) sind inhaltlich stark an die Komödie "Phormio" des zweiten bedeutenden altrömischen Komödiendichters Terenz (ca.190 bis 159 vor Christus) angelehnt und überdies noch mit einem "Schuss Plautus" gewürzt. Dieser Tradition der Übernahme und "Weiterverarbeitung" bewährter antiker Theaterstücke, die in der Renaissance quasi wiederentdeckt wurden, folgte übrigens schon Shakespeare (1564 - 1616) zum Beispiel in seiner " Komödie der Irrungen", die der "Zwillingskomödie" des Plautus nachgebildet ist. So ist wohl auch der Urahne des Fallstaff im Plautinischen "Miles gloriosus"  zu suchen.

„Sein Charakter war sanft, gefällig, edel; er hielt gerne Ansprachen, und wenn er seine Stücke den Schauspielern vorlas, wollte er, dass sie ihre Kinder mitnähmen, um aus deren naiven Regungen seine Schlüsse ziehen zu können“

Mercure de France, Mai 1740

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