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WAS SAGT DIE PRESSE?
Pfiffiges Sommertheater mit einem tanzenden Wildschwein Die Südkärntner Sommerspiele feiern ihr 30-Jahrjubiläum und beschenken sich und uns mit einer köstlichen Farce. Was 1976 im Theater im Stiftshof mit den "Wolscharträubern" begann, mündet heuer unter der Regie von Jörg Schlaminger in die Komödie: "Romulus und das Wildschwein". Untertitel: "Von den Sitten und Unsitten am Theater". Und darum gehts auch: Den Zuschauern wird ein amüsanter Blick auf die Hinterbühne eines italienischen Provinztheaters um 1800 geboten, in dem die besagte Romulus-Oper zur Aufführung gelangen soll. Doch eine Woche vor der Premiere herrscht noch Chaos pur und dem genervten Impresario (Wilhelm Popek, dem permanenten Herzanfall nahe) will es nicht und nicht gelingen, seine Ensemblemitglieder endlich von der Hinterbühne auf die Vorderbühne zu bewegen.Denn diese eitle Sänger- und Spielertruppe muss ja erst ihre Allüren ausleben. Ist doch jede(r) ein Star! Und so werden wir Zeugen köstlich vorgeführter Schwächen nerviger Künstlertypen: Allen voran die Primadonna (Sigrid Gamisch-Karner), die gegenüber der Secondadonna (Simone Jäger) und der Theateragentin Mama Agata (hervorragend in der Frauenrolle: Hans Prilassnig) zickenhafte Stutenbissigkeit an den Tag legt. Aber auch der Pulk an Männerfiguren hat es in sich: ob als Hampelmann-Gatte der Primadonna (Herbert Murero), junger Primadonna-Fan (Alexander Schwab), Bühnenbildner-Maestro (Nikolaus Schwab), Maestro de musica (Helmut Lechtaler) oder Tenor (Karl Pöcher) – sie alle spielen Überzeichnungen menschlicher Schwächen in gekonnter Komödiantik. Ein diesbezügliches Kabinettstück legt (springt) der Ballettmeister (Norbert Schüller) auf die Bretter (Bühnenbild: Hermann Löffler) des Stiftshofes. Und wo treibt sich das Titel-Wildschwein herum? Es vollführt mit dem Corps de Ballett eine hinreißend choreografierte Tanznummer. Schlussendlich zeigt die geglückte Bearbeitung dieser 200-jährigen Farce eines: Sommertheater ist meist leicht, aber nicht immer seicht! BERND SANDRIESER
Ideale Kost für die Lachfalten "Effekte, nur noch Effekte zählen!" Der Jammerruf des Bühnenbildners klingt ziemlich aktuell... Dabei ist in Eberndorf "von den Sitten und Unsitten des Theaters" anno 1800 die rede, pardon, das Spiel. Das ist in der Inszenierung und Adaptierung von Jörg Schlaminger gewohnt gekonnt und unterhaltsam. Dabei bezieht sich das Stück von Antonio Simone Sografi (1759-1816) seinen Witz weniger aus der Handlung als aus den Personen und ihren Ticks. Aber Eberndorfs Profi-Laien stellen Typen auf die Bühne, die Lachfalten vertiefen und Mundwinkel in Krampfgefahr bringen: Man kommt aus dem Grinsen nicht heraus über die exaltierte Primadonna mit lästigen Ehemann und Mozartkarikatur als Diener, über den Grafen mit Verkleidungsnot, über den trinkfreudigen Komponisten, die Secondadonna mit der männlichen Mama und wer sich da noch im Theater herum- und den Impresario in den Wahnsinn treibt. Der herrliche WilfrIed Popek ist in dieser Rolle der neue Star des tollen Ensembles. Samt (Wildschwein-) Ballett wirbelt es nur so über Hermann Löfflers großartig schlichte Bühne, auf der selbst die Sonne schwarz ist: "Romulus und das Wildschwein" empfiehlt sich als perfekte Sommerkost! FRIEDA STANK
Ein furioser Wildsautanz Wenn man 30 Jahre Sommertheater feiert, kommt ein Theaterspaß über das Theater gerade recht. Eberndorf
schnappte sich dafür ein Eberstück ... ! „Romulus und das Wildschwein“, um 1800
aus der Feder des Antonio Simone Sografi in die Theaterwelt entlassen, kann als
Barometer der Theaterallüren gelten. Dem entnervten Impresario, authentisch
outriert von Wilfried Popek, machen seine Protagonisten und Mitarbeiter das
Leben sechs Tage vor der Premiere zur Hölle: Nix ist fertig, alles klemmt, jeder
fordert Unmögliches. Eigentlich ist die reizbare Primadonna (Sigrid Gamisch
Karner) die Schlimmste, aber zwei Herren laufen ihr den Rang ab: Der Kastrat „Farinelli
secondo“, hinreißend komödiantisch von Peter Grillitz gespielt, legt mit dem
Ballettmeister Norbert Schüller, der gekonnt seine Compliments tänzelt und auch
vor einem Sautanz nicht zurückschreckt, die besten Leistungen des Abends hin.
Apropos Sautanz: Hier wirken die reizenden Elevinnen, darunter zwei
Schlamingerinnen, angeleitet von Conchita Navarro Front, mit und sorgen mit dem
Wildschwein für ein furioses Aktfinale.
Eberndorf: Wortwitz und Trubel um Romulus als Opernheld Zum 30-Jahr-Jubiläum des Theaters im Stiftshof gibt es eine deutschsprachige Erstaufführung über Sitten und Unsitten am Theater. Unter dem vielsagenden Titel "Romulus und das Wildschwein" wird ein Stück dargeboten, das südländisches Temperament mit geistreicher Ironie vereint. Was über den Musiktheaterbetrieb vor etwa 200 Jahren von Antonio Simone Sografi mit spitzer Feder aufgezeichnet worden war, diente bald danach als Vorlage für das Libretto der Oper "Le convenienze e le inconvenienze teatrali" von Gaetano Donizetti, die heute unter dem Titel "Viva la Mamma" noch bekannt ist. Als Sprechstück geriet dieser ironische Blick hinter die Kulissen in Vergessenheit. Auf der Suche nach einem Stoff für die Südkärntner Sommerspiele 2006 wurde Regisseur Jörg Schlaminger in Italien fündig. Gemeinsam mit Michael Eibl wurde die Komödie übersetzt, zeitgemäß bearbeitet und wird unter dem für Eberndorf maßgeschneiderten Titel "Romulus und das Wildschwein" zum runden Jubiläum als deutschsprachige Erstaufführung vom Ensemble des "Theaters im Stiftshof" zum Besten gegeben. Inhalt Im Theater von Lodi, einer Provinzstadt der Lombardei, soll die Oper "Romulus und Ersilia" aufgeführt werden. Acht Tage vor der Premiere herrscht wegen den Empfindlichkeiten der Künstler ein heilloses Durcheinander. Sonderwünsche, Eitelkeiten, Launen und Reibereien untereinander über die eigene Wichtigkeit bringen den Impresario, den Musikmeister, den Ballettmeister, den Bühnenbildner, den Schneidermeister und den Theatersekretär zur Verzweiflung. Proben werden geschwänzt oder dienen dem Einbringen von weiteren Änderungswünschen. Man streitet um des Kaisers Bart. So geht es um die Gestaltung des Bühnenbildes oder maßlose Ausstattungswünsche. Die Umbennung des Stückes als Gebot der Höflichkeit gegenüber den Frauen steht zur Debatte, wird aber verworfen, denn schon seit Adam und Eva oder Romeo und Julia wird der Mann zuerst genannt. Aber man könnte ja die Ersilia weglassen! Die Reihenfolge der Auftritte würde zur Ouvertüre am Schluß der Oper führen, die Untanzbarkeit bestimmter Tonarten wird bemängelt. Heerscharen von Statisten in skurillen Verkleidungen sollten Bühne und Wolken beleben und die Secondadonna, die Sonnette so schnell dichtet, wie sie Palatschinken macht, sollte in Text und Spiel mit eingebunden werden. Es kommt zum Verschwinden des Kastraten, der sich mit Frauen herumtreibt und sein Schwert herzeigt. Die Zeit läuft unbarmherzig davon, der Impresario wirft geschlaucht das Handtuch. Als die Premiere endgültig zu platzen droht, gelingt es dem Inspizienten, mit einem klugen Schachzug das Ensemble zur Räson zu bringen. Die Proben können beginnen, denn auch in Schauspielkreisen gilt als probates Mittel für die Karriere: "Nach oben buckeln, nach unten treten"! Personen und Darsteller Die Primadonna (Sigrid Gamisch-Karner) wirft schon lange vor dem ersten Erscheinen ihre Schatten voraus. Auch der sie begleitende Gatte (Herbert Murero) findet wenig schmeichenhafte Erwähnung. Der Bühnenbildner (Nikolaus Schwab) und der Bühnenarbeiter (Walter Tschuk) lassen in ihren Bemerkungen über den Opernbetrieb schon einiges erahnen. Der Conte, ein Freund und Förderer der Primadonna (Alexander Schwab), bringt dem Impresario (Wilfried Popek) keine erfreulichen Nachrichten. Der Musikmeister (Helmut Lechthaler) kommt gerade rechtzeitig mit der fertigen Kompositon, um mit Änderungswünschen konfrontiert zu werden. Der Diener der Primadonna namens Amadeus (Markus Druml), dessen Ähnlichkeit dem Mozartjahr enstspringt, kündigt huldvoll das Erscheinen seiner Herrin an. Sie findet für ihre Wünsche Gehör, doch danach erscheint der Kastrat (Peter Grilliz) und betont seine Wichtigkeit, die nur durch neuerliche Veränderungen des Stückes unterstrichen werden sollte. Der Schneider (Tagino Prilasnig) und der Ballettmeister (Norbert Schüller) beruhigen die Situation in keiner Weise. Just in dieses wachsende Chaos erscheinen die Theateragentin Mama Agata (Hans Prilasnig in einer Frauenrolle!) mit Secondadonna (Simone Jäger). Ein Engagement der Tochter müsste doch möglich sein. Der ausländische Tenor (Karl Pöcher) tritt stimmgewaltig auf, hat aber sonst große Schwierigkeiten mit der Verständigung. Als ob die Probleme für den Impresario nicht schon ausreichten, buhlt Secondadonna in spe (Alice Rassl) um ein Engagement und gerät mit Mama Agata ins Grobe. Auf der Flucht vor den Folgen seiner Leichtlebigkeit versteckt sich der Conte unter der Maske des Wildschweins und kommt so unfreiwillig zu einer buchstäblich tragenden Rolle in der Ballettprobe mit dem Corps de Ballet (Martina Rösler, Johanna Schlaminger, Magdalena Schlaminger und Sophie Springer). Die mittlerweile umgeschriebene Kompostion findet wieder keine Zustimmung, die Requisiten fehlen, die Bühnenausstattung kann nicht fertig gestellt werden, weil kein Geld vorhanden ist, und zu guter Letzt ziert sich auch noch die Primaballerina (Verena Eberhard). Da hilft nicht einmal der Blitzstrahl des Inspizienten (Gerhard Kuschej) als Kriegsgott Mars. Die Fluchtversuche des in Bedrängnis geratenen Conte lassen das Gebäude zum Tollhaus werden. In unterschiedlichen Verkleidungen schlagen alle Versuche fehl, den erzürnten Frauen zu entrinnen. Der Inspizient hat letztlich jene rettende Idee für den Frauenheld und für die Oper, mit der die Schauspielerei köstlich karikiert und der Theaterabend gekrönt wird. Inszenierung und Aufführung Regisseur Jörg Schlaminger, assistiert von Sophie Springer, gelingt es, das Ensemble zur Hochform auflaufen zu lassen. Das südländische Temperament, die aussagekräftigen und dezent zweideutigen Textpassagen und die bewusst überzeichneten Schrullen und Eitelkeiten lösen spritzig einander ab. Die Charaktere werden von der Darstellern so gut nachempfunden, dass man sich auf der Hinterbühne in Lodi wähnt. Je nach Rolle können sich die Schauspieler mehr oder weniger in Szene setzen, wobei die Leistungen jedes Einzelnen die Aufführung zum Erfolg trägt. Das Bühnenbild von Hermann Löffler kommt mit seiner Sparsamkeit den Schauspielern und dem Ballett, Choreografie Conchita Navarro-Font, zusätzlich entgegen. Magdalena Schlaminger, Maske, sowie Engelbert Kummer und Helmut Stultschnig, Licht und Ton, sorgen für ein harmonisches Erscheinungsbild dieser sehenswerten Komödie. MAVO
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